Sonntag, 6. August 2017

ein deutscher Sommer


Sommer  2017 in Mainz
So sah es diesen Sommer eigentlich immer aus. Sonne, Wolken, Regen, ständiger Wechsel zwischen Hitze und Kälte; mir war es recht, solange ich noch jede Woche nach Hannover zum Arbeiten fahren muss. Unseren Sommerurlaub in Bayern konnten Ulli und ich zum Glück noch ohne Kosten verkürzen, nachdem der Wetterbericht Dauerregen angesagt hatte. So blieb mir mehr Zeit für die Vorbereitungen meiner Reise.
Carnet Deckblatt
Am Samstag klingelte der Postbote und brachte nach nur 10 Tagen Bearbeitungszeit schon das Carnet vom ADAC. Das hat ja super geklappt. Gültig ab 09.September, einem Tag vor meiner geplanten Einreise in den Iran. So ein Carnet besteht aus dem Deckblatt, 25 Seiten für eben so viele Grenzübertritte, und eine Verbleibsbescheinigung. Kommt man an die Grenze, stempelt der Beamte bei der Einreise auf einem Blatt den Teil ganz oben links und den letzten Teil ganz unten ab. Letzterer wird bei der Einreise abgerissen und verbleibt beim Zoll. Bei der Ausreise wird dann auf dem obersten Teil rechts abgestempelt, und der zweite Teil verbleibt abgestempelt und unterschrieben beim Zoll. Jedes Land hat damit einen Zettel für die Einreise und einen für die Ausreise an der jeweiligen Grenzstation, man selbst hat den Ein- und Ausreisestempel im Carnet. Man sollte tunlichst darauf achten, dass die Grenzbeamten das auch genauso handhaben, sonst kann nicht nur die Kaution beim ADAC flöten gehen, sondern noch wesentlich mehr.
Carnet Blatt 1
Von einem Geburtstags-Gutschein besorgte ich mir beim örtlichen Buchhandel ein Bildwörterbuch Persisch-Deutsch. Zugegeben, das Teil wiegt über 600 g, aber da ich ja allein reise und kein Farsi spreche, muss es sein. Gesehen hatte ich so etwas zum ersten Mal bei Hartmut in der Mongolei. Das Tolle: unter dem Bild steht nicht nur der deutsche Begriff, sondern dasselbe auch auf Farsi, und die Lautschrift ist auch noch darunter. Benzin heißt auch auf Farsi "benzin", die Gitarre "gitar-e akostik" und der Gaskocher "gaz pikniki"; na also, das scheint ja gar nicht so schwer zu sein.
rund ums Mopped
und beim Campen
4 Wochen vor meiner Abreise hat sich nun auch endgültig geklärt, ob ich ganz alleine im Iran unterwegs sein werde oder darauf hoffen kann, dort auf bekannte Gesichter zu treffen. Wie ihr ja weiter unten lesen konntet, wollten ursprünglich mal 10 Interessierte mit. Helmut erschien eine solche Gruppe zu groß, er schloss sich mit Martina und Hartmut zusammen, um in kleiner Gruppe unterwegs zu sein. Sie suchten nach einem Direkttransport der Motorräder in den Iran, was sich aber nicht realisieren ließ. Die Gruppe um Marco wiederum hatte sich angesichts der Verhältnisse in der Türkei entschlossen, den Hin- und Rücktransport der Mopeds über Tiflis (Georgien) abzuwickeln. Bei ihnen sprang aber einer nach dem Andern aus familiären wie auch anderen Gründen ab, so dass Marco schließlich die ganze Tour für dieses Jahr abblasen musste. Ich war dann schon darauf eingestellt, als Einziger unterwegs zu sein, als Hartmut mir vor wenigen Tagen sagte, dass er, Martina und Helmut ihre Motorräder nun auch über Tiflis transportieren lassen würden und sogar noch länger dort unterwegs sein wollten wie ich. Sie fliegen bereits Ende August nach Tiflis und wollen dann über Aserbeidschan ans Kaspische Meer im Iran. Da ich für die Anreise rund 1 1/2 Wochen brauche, werden sie ein ganzes Stück vor mir herfahren. Allerdings wollen sie einige Tage nach Teheran, das ich auslassen möchte. Und auch Mashad steht auf ihrem Programm, während ich schon vorher nach Süden in die Wüste abbiegen will. Ihr Rückflug ab Tiflis ist wohl nur ein oder zwei Tage nach meinem, so dass ich guter Hoffnung bin, sie im zweiten Teil meiner Reise öfter mal zu Gesicht zu bekommen. Leider ist es ja mit der Verständigung im Iran nicht so einfach, ein Anruf übers deutsche Netz kostet gleich 3 Euro. Aber gefreut habe ich mich auf jeden Fall sehr.

Dienstag, 25. Juli 2017

Visum und Carnet

Während  Ulli und ich ein paar entspannte Tage in den bayrischen Alpen verbrachten, lief mein Antrag für das iranische Visum.  Leider wird einem das mit der erforderlichen Referenznummer und der Angabe einer Anschrift im Iran nicht gerade einfach gemacht, zumal Reservierungssysteme wie booking.com oder HRS kein Angebot für den Iran haben und die iranischen Hotels eher selten auf emails antworten. Wie schon beim Russland-Visum versuchte ich es daher auch dieses Mal über die Visa-Agentur von König Tours, und es klappte alles zu meiner Zufriedenheit innerhalb der angegebenen 15 Arbeitstage. Inklusive Referenznummer kostete das Visum dort 110 €, dazu kamen noch einmal 6 € für den Rückversand als Einschreiben. Vorsichtshalber hatte ich noch für 25 € zusätzlich eine Reisebestätigung gebucht, was mir die Angabe eines Hotels im Iran ersparte. 141 € sind natürlich eine ganze Menge Geld für so einen Stempel, aber das relativiert sich ja dadurch, dass der Iran dieses Mal das einzige Land  auf meiner Reise ist, für das ein Visum notwendig ist. In München soll das Visum angeblich auch ohne Referenznummer zu bekommen sein, da hätte ich es wohl auch auf eigene Faust versucht.
Kaum aus dem Kurzurlaub zurück, hielt ich meinen Pass mit dem Visum in Händen und konnte das Carnet beim ADAC beantragen. Früher hatte ich das schon in München und Frankfurt ohne Probleme gemacht. Den Antrag kann man sich beim ADAC online herunterladen, da stehen dann auch Informationen über die Gebühren und die zu hinterlegende Kaution.  In der Preisgruppe 1 sind für meine KTM immerhin auch schon 3000 € Kaution fällig mit einem Zeitwert von bis zu 7500 €. Wäre ich mit dem Jeep Wrangler gefahren, wären es aber schon 30000 € Kaution gewesen, also das Zehnfache, zuzüglich der 210 € Gebühren für ADAC Mitglieder. Die Zeiten, als man sich für kleines Geld eine Bankbürgschaft für die Kaution besorgen konnte, sind auch langsam vorbei;  entweder werden unverschämte Zinsen verlangt, oder die Bank bietet das gleich gar nicht mehr an. Besonders wichtig ist das Ablesen der Motornummer, denn die steht nicht in den Fahrzeugpapieren. Manche Grenzbeamten sind da sehr akribisch, und wehe, die Nummer stimmt nicht mit der im Carnet überein.
Als ich nach Zahlung der 3210 € den Antrag beim ADAC in Mainz abgeben wollte, konnte der erste Mitarbeiter an der Information mit dem Begriff "Carnet" schon mal nichts anfangen. Bravo, das ging ja gut los. Der nächste wusste dann zwar, was ein Carnet ist, meinte aber, Mainz sei dafür nicht zuständig. In München und Frankfurt war gerade niemand erreichbar, den er fragen konnte. So gingen wir noch einmal gemeinsam durch das Formular, ich unterschrieb, und er schickte alles zusammen nach München. Hoffentlich geht das gut. Von Hause aus bin ich ja manchmal Pessimist, nachdem ich in den letzten Jahren öfters mal die "A....karte" gezogen hatte, andere aber unbehelligt davon kamen. Vielleicht sollte ich in einigen Tagen mal beim ADAC anrufen und nachfragen ...... 
Kaution für Carnet de Passage
Das Shit-Wetter diese Woche hatte uns ja dazu bewogen, unseren München-Aufenthalt nach einer schönen Woche in den Alpen und dem Wochenende in Salzburg zu verkürzen. So habe ich ein wenig Luft, meine Reisevorbereitungen zu treffen. Der Kurzaufenthalt in Salzburg hat mir wieder einmal klar gemacht, wie wenig sozial und bürgergerecht unsere eigenen Regierungen aller Couleur agieren. Nicht nur, dass man in Österreich glatt 20 Cent weniger für den Sprit bezahlen muss, die bei uns der Finanzminister zusätzlich einstreicht, auch als Rentner bekommt man bei gleichem Lohn und gleicher Lebensarbeitsleistung 40 Prozent mehr an Rente ausgezahlt als bei uns. Wie geht das, frage ich mich da natürlich?
Mal angenommen, ein Deutscher arbeitet in Hamburg für ein Jahresbruttogehalt von 52000 €, so bekommt der nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters 2211 € Rente, soweit er nicht noch privat vorgesorgt hat. Ein Österreicher mit 49000 € Jahresbrutto , also etwas weniger, erhält aber 2956 € Rente im Monat, und das nicht nur 12 x wie bei uns, sondern 14 x, weil es in der Alpenrepublik auch Weihnachts- und Urlaubsgeld für Rentner gibt, was letztlich einer Monatsrente von rund 3500 € brutto entspricht. 2211 gegen 3500 Euro, wie kann das sein? Ein wichtiger Unterschied: in Österreich bezahlen alle ins System ein, also auch Selbständige und Beamte. Wenn dort einer mehr verdient, muss er  auch mehr einzahlen. Die Auszahlung ist jedoch auf maximal 4980 € im Monat brutto begrenzt, da bekommen also "die Reichen" eventuell weniger raus als sie eingezahlt haben. Zweiter Unterschied:  bei uns bezahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils die Hälfte von 18,7 % des Bruttolohnes an die Rentenkasse, also jeder 9,35 %. In Österreich bezahlt der Arbeitnehmer  10,25 %, also 0,9 % mehr als sein deutscher Kollege; der Arbeitgeber jedoch bezahlt 12,55 % in die Rentenkasse, also 3,2 % mehr als der deutsche Unternehmer. Offenbar florieren die österreichischen Unternehmen trotzdem, es wäre also auch bei uns machbar. Nur gibt es bei uns keine Regierungspartei, die der Wirtschaft auch nur irgendwo einen Euro wegnehmen will. Kein Wunder, gehen doch Politiker, die Wirtschaftsbosse und bekannte Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen alle in dieselben Locations und reden mehr miteinander als mit ihren Bürgern oder Angestellten. Jeder "arbeitslose Politiker" findet sofort einen Job in der Wirtschaft, da kann er vorher angestellt haben, was er will. Auch bei uns Bürgern gibt es keine Proteste mehr gegen das soziale Ungleichgewicht wie in meiner Studentenzeit. Vielmehr will heute jeder selbst die Karriereleiter nach oben klettern, selbst die Schüler laufen schon gestylt und im Sakko herum, alle passen sich an. Mehr als 28 % aller 20 - 29-Jährigen glauben, dass sie aus eigener Kraft in ihrem Leben Millionär werden können! Dafür leben sie. Furchtbar! Und umso mehr ein Grund, öfter mal die eigenen engen Grenzen zu verlassen und in Nah und Fern neue und ganz andere Erfahrungen zu sammeln. Geld kann man nicht essen, man kann sich dafür nur Dinge kaufen. Aber Erlebnisse und Erfahrungen kann man nicht kaufen, genauso wenig wie man echte Liebe im Puff kaufen kann.     

Mittwoch, 14. Juni 2017

Alpentour mit Karl und Franz

voller Vorfreude
Nach mehreren Versuchen ging es dieses Jahr auf unserer Alpentour wirklich in die Dolomiten. Trotz schlechter Wettervorhersage erreichte ich das erste Übernachtungsziel in Lermoos trocken, während meine Mitfahrer eine Dusche abbekamen. Am nächsten Morgen verlängerten wir das Frühstück einfach wegen des Dauerregens und wurden belohnt. Nur wenige Regentropfen erreichten uns zwischen den vielen Wohnwagen am Fernpass. Beim nächsten Mal würden wir das Hahntennjoch als Alternative nutzen.

Reschensee
Über das Pitztal und den Pillerberg ging es zum Reschenpass, danach zum Umbrailpass. Franz und Karl verpassten natürlich die Abfahrt und fuhren über den Ofenpass nach Bormio, während ich nach langem Warten auf die Beiden noch zum Stilfser Joch auf 2780 m hoch fuhr. Ein paar Sonnenstrahlen und jede Menge Schnee erfreuten ganze Heerscharen von Motorrad- und Rad-Fahrern. In Bormio dann wieder leichter Regen, so dass ich schon mal auf den Gavia-Pass hinauffuhr.
Schneereste
Stilfser Joch Auffahrt
am Gavia Pass
Gavia Abfahrt
alte Herren brauchen manchmal länger
Inzwischen zwar vollständig asphaltiert, aber immer noch relativ wenig frequentiert. Kaum im Tal angelangt, geht es schon wieder über den Passo del Tonale. Leider musste ich danach tanken: nach 1,20 Euro in Österreich tun die 1,65 Euro in Italien schon weh. Hinter Mezzana ging es dann irgendwann links hinauf nach Pracorno, wo wir eine günstige Unterkunft gebucht hatten, und auch die beiden Anderen kamen rechtzeitig zum Abendessen an.

Karersee
Sella Pass
Am dritten Fahrtag ging es erst mal über den Mendelpass nach Bozen, dann weiter zum Karersee mit dem Rosengarten. Über Sellapass und Grödnerjoch gelangten wir von Canazei zu unserem Zielort Badia Abtei mit einem phantastischen Hotel. Nachdem Karl der Weg zum nächsten Restaurant zu weit war - das Hotel hatte Ruhetag -, lieh uns der Wirt kurzerhand einen Wagen fürs Abendessen, während unsere Moppeds sicher in der Tiefgarage standen.
Karl beim Relaxen
... und als unser Chauffeur















Am nächsten ein toller Blick aus unseren Zimmern auf die Berge. Karl wollte einen Ruhetag einlegen, also fuhren Franz und ich über das Pordoijoch nach Canazei, leider schon wieder bei Regen. Eigentlich wollten wir über den Fedaiapass nach Cortina d'Ampezzo und über den Falzarego Pass zurück, aber der Fedaia war ausgerechnet in dieser Woche komplett gesperrt. So mussten wir wieder auf demselben Weg zurück nach Arabba und bei starkem Regen ins Hotel, um uns dort unter der heißen Dusche wieder aufzuwärmen. Karl hatte alles richtig gemacht, und bei einem Aperol wurde die Tour des nächsten Tages geplant.

Grödner Joch
Val Gardena
Penser Joch
Timmelsjoch
mein Baujahr 1954
Silvretta Stausee 

am Pillerberg gab es auf der Hinfahrt noch Lehm und Rutscherei
böhse moppedz
Da ging es dann über das Grödnerjoch und St.Ulrich ins Eisacktal, um bei Barbiano gleich wieder auf einer super kleinen Strasse hoch nach Lengstein und Ritten zu fahren. Nach einem Apfelstrudel ging es weiter zum Penserjoch, um kurz hinter Sterzing gleich wieder auf den Jaufenpass zu klettern. Kaum unten ging es auf schmaler Strasse hinauf zum Timmelsjoch. Statt Sonnenschein wurde es nach dem Tunnel plötzlich kalt und fing sogar leicht an zu schneien.So hielten wir uns gar nicht lange auf, sondern fuhren auf schnellstem Weg durch das Ötztal Richtung Inntal. Nicht ohne vorher noch einmal 14 Euro Maut für die österreichische Pass-Strasse abzudrücken. Franz machte dann mal wieder Bekanntschaft mit der Polizei, kam aber mit 35 Euro glimpflich davon. Über das Pitztal und den Pillerberg ging es zu unserem Hotel in Fendels, keine gute Wahl leider. Eher Jugendherberge als Hotel, aber immerhin bekamen wir noch etwas zu Essen im Nachbarhotel.






Am sechsten Tag mussten wir durch Landeck, was sich wieder mal ziemlich hinzog. Gestresst verpassten Karl und Franz dann den Abzweig ins Paznauntal, Franz drehte dann aber später um, während Karl über den Arlberg fuhr. Hinter Ischgl und Galtür  waren für die Silvretta-Hochalpenstrasse wieder 12 Euro fällig. Ich weiß gar nicht, warum sich ausgerechnet die Österreicher über unsere Mautpläne beschweren. Karl stieß dann von der anderen Seite wieder zu uns, und gemeinsam fuhren wir hinter Bludenz ins Große Walsertal. Über Faschina und Au ging es noch Dornbirn und dann am Nordufer des Bodensees bis Meersburg, dort dann mit der Fähre nach Konstanz und am linken Rheinufer bis zu unserem Hotel bei Stein. Die Preise in der Schweiz waren heftig, statt 20 Euro waren nun 40 Euro für eine Flasche Wein fällig. Aber wie sagte Franz: "wir sind ja im Urlaub, das gönnen wir uns." 
Rheinfall bei Schaffhausen
Ballon des Vosges

Blick aus dem Hotel in St.Hippolyte
Den Rheinfall von Schaffhausen hatte ich das letzte Mal vor 40 Jahren gesehen, er ist immer noch beeindruckend. Auf der deutschen Seite gelangten wir bis Weil am Rhein, wo es nach Frankreich hinüber ging. Über Altkirch gelangten wir nach Cernay, wo die Route de Cretes beginnt. Diese phantastische Motorradstrecke führt immer auf etwa 1000 m Höhe bis zum Col du Bonhomme. Weiter auf kleinen Strässchen erwischte uns wieder voll ein Gewitter, bevor wir in St.Hippolyte in unser schon vom letzten Jahr bekannten Hotel eincheckten. Im Hubsa Pfannala gab es leckere Käseaufläufe und guten Wein.
Haut Koenigsbourg
Der letzte Tag führte noch einmal auf kleinen Strassen über Le Hohwald und Wasselone nach Haguenau, von wo aus auf guter Strasse schnell Landau und Mainz erreicht waren. Kurz geduscht, und schon waren Ulli und ich auf dem Weg zum 8.Symphoniekonzert im Mainzer Großen Haus, wo u.a. Tzimon Barto das 2.Konzert für Klavier und Orchester von Sergej Rachmaninow spielte. Ende einer tollen Woche.

Tracks: Tag1 Tag2 Tag3 Tag4 Tag5 Tag6 Tag7 Tag8


eine tolle Alpentour !
Die KTM hat mit Koffern immer noch deutlich unter 4 l verbraucht, sollte also mindestens 300 km Reichweite auch beladen haben. Einzig meine Schuhe müssen verbessert werden, die waren ständig naß. Die Reifen nutzten sich relativ flott ab, vor allem vorne. Bei nassem Belag kam ich einige Male ins Rutschen. Sahara 3 werden es daher wohl nicht mehr werden. Die Mitas hatte ich ja bestellt, aber immer noch nicht das Geld zurück bekommen. Vielleicht doch die Heidenau K60 ?

Freitag, 26. Mai 2017

B wie "betrogen" .....

Damit ich am Ende nicht in Zeitnot gerate, hatte ich mir schon Anfang Mai einen Satz neuer Reifen bestellt. MITAS E-09 sollten es werden, wegen der Haltbarkeit und Robustheit der Reifen. Die Reifenfreigabe für meine KTM besagt, dass ich vorne und hinten jeweils mindestens Geschwindigkeitsindex S brauche, also 54S und 70S, aber T wäre natürlich auch möglich.
Reifenfreigabe vom MITAS
Auf meiner Suche im Internet landete ich schließlich bei ReifenLeader. Bestellt und per Sofortüberweisung bezahlt, 2 Tage sollte es dauern, und Rückgaberecht gäbe es auch. Am nächsten Tag eine email, der Käufer wäre verpflichtet, die Ware zu prüfen, ob sie auch mit dem bestellten Artikel übereinstimmt. Da wurde ich schon stutzig ..... Es stellte sich heraus, dass ReifenLeader gar nicht wie gedacht in Deutschland sitzt, sondern in Andorra. Die bestellen dann einfach bei dem günstigsten Händler weiter, und deshalb kamen mein Vorderreifen und der Hinterreifen auch getrennt voneinander an. Da ich ja nur am Wochenende die Ware in Empfang nehmen kann, bestellte ich den Vorderreifen nach dem ersten Zustellungsversuch in einen Paketshop. Dort dann die Bestätigung meiner Befürchtungen: ich hatte zwar den teuren 54T bezahlt, aber dort lag nur der 54R. Annahme verweigert, und versucht den Support von Reifenleader zu erreichen. Natürlich nur wochentags möglich, aber man konnte immerhin ein Ticket zum Fall aufmachen. Ich beschrieb die Situation und wollte das Ticket abschicken, aber ohne Beweis-Foto ging das nicht. Also zurück zum Paketshop, noch einmal den Vorderreifen abgelichtet, dann konnte ich das Ticket auf die Reise schicken. Nach einigen Tagen kam die Entschuldigung, man werde das Geld zurück überweisen. Inzwischen sind weitere 2 Wochen vergangen, immer noch kein Geldeingang von Reifenleader.

der falsche Vorderreifen 54R 
Vielleicht wollen die noch auf den Hinterreifen warten? Der sollte einige Tage später kommen. Ich konnte ihn allerdings nicht in einen Paketshop umleiten, persönliche Übernahme war gefordert. Also bestellte ich ihn wieder einen Samstag später und wartete. Natürlich vergebens. Am nächsten Montag war ein Zettel drin, der Reifen sei zugestellt. Wo: Dietz. Niemand wohnt hier mit so einem Namen, es meldete sich auch niemand. Ein Anruf bei DPD kostet unverschämt viel Geld, also wieder ein Ticket aufmachen. Es stellte sich heraus, dass die Zustellung den Vorderreifen betraf, der wäre wieder nach Dietz zurück gegangen. Also bestellte ich mir den Hinterreifen erneut für diesen Freitag, den Brückentag, an dem ich ausnahmsweise daheim arbeitete.
Hinterreifen 70R
Am Nachmittag kam der Paketbote mit dem Reifen und wir suchten gemeinsam nach dem Geschwindigkeitsindex-Kennzeichen. Auf dem aufgeklebten Zettel waren ausgerechnet diese Informationen unleserlich. Schließlich quittierte ich den Empfang, der Paketwagen wollte nicht ewig warten. Ich riss die Folie herunter, und siehe da, wieder der falsche Reifen mit "70R" statt "70S". Zum Glück konnte ich den Paketfahrer noch erreichen, er warf den Reifen hinten rein, und ich schickte die Fotos mit einem neuen Ticket zu ReifenLeader. Ob ich mein Geld von denen jemals wieder bekomme, kann ich nur hoffen. Aber eines weiß ich mit Gewissheit: bei ReifenLeader werde ich nie wieder etwas bestellen, und ich kann nur alle warnen, wenn sie nicht ähnliche Erfahrungen machen wollen. Da wird zwar das Geld kassiert, aber alle Arbeit und Verantwortung an den Kunden weiter gegeben.

Bestellung bei ReifenLeader
Ähnlich betrogen fühle ich mich auch vom Finanzamt, nachdem ich letzte Woche einen Brief von ihnen bekam, dass meine Unterlagen zur Einkommensteuerklärung 2016 an das Finanzamt Hannover-Mitte weitergeleitet worden wären, weil dieses jetzt für mich zuständig sei. Da schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken, denn zuständig ist das Finanzamt, in dessen Bezirk der Lebensmittelpunkt des Steuerzahlers liegt. Lebensmittelpunkt Hannover würde für mich bedeuten, dass ich keinen doppelten Haushalt und Heimfahrten geltend machen könnte. Und das, obwohl ich in Hannover gar keinen Wohnsitz habe, sondern im Hotel wohne, meine Kinder und Enkelkinder in der Nähe von Mainz wohnen, und ich schon seit 8 Jahren mit meiner Lebensgefährtin zusammen eine Wohnung in Mainz bewohne und zur Hälfte bezahle. Natürlich habe ich das den beiden Finanzämtern ausführlich dargelegt und auch darauf hingewiesen, dass ich im Jahr 2016 lediglich  157 mal in Hannover geschlafen hätte, aber 209 mal eben nicht! Meine ganzen Arzt- und Behörden-Besuche erledige ich daheim im Urlaub oder an Gleittagen. Ob das allerdings bei den Sachbearbeitern dort auch gehört wird, da habe ich so meine Zweifel. Das ärgert mich besonders, weil wir Steuerzahler diese Beamten letztlich für ihre Arbeit bezahlen. Ein wenig gesunder Menschenverstand, und schon würden viele Probleme gar nicht erst entstehen. So hatte ich einige schlaflose Nächte, denn dabei geht es nicht nur um 130 Euro wie bei den Reifen oben, sondern um einige tausend. Wenn die wirklich auf stur schalten, muss ich notfalls vor ein Gericht. Dabei wollte ich im Alter doch alles ruhiger angehen!
Neben diesen beiden negativen Punkten gab es kürzlich aber auch gute Nachrichten. Mit 57% der Wählerstimmen hat sich der alte und neue Präsident Hassan Rohani klar gegen den radikal-konservativen Hardliner Ebrahim Raisi durchgesetzt. Das wird sicher keine neuen Pforten öffnen, man kann aber davon ausgehen, dass das relativ entspannte Verhältnis Touristen gegenüber im Iran erhalten bleibt. Natürlich weiß man nie, was die nächsten Wochen und Monate bringen, Trump ist immer für einen Schuss aus der Hüfte gut.
am Kleinen St. Bernhard
Noch eine Woche Arbeiten in Hannover, dann mache ich mit den Alpenmasters wieder die jährliche Motorradtour in die Berge. Nachdem wir die letzten Male wegen des schlechten Wetter immer in den Westalpen waren, geht es nun endlich in die Dolomiten. Leider  nur zu dritt dieses Mal, Helmut ist mit seiner Firma beschäftigt. Das gibt die Generalprobe für die Iranreise.       
Franz kann nach Fahrverbot in der Schweiz wieder lachen

Mittwoch, 19. April 2017

'A' wie ........

Ankara: das Referendum ist gelaufen, die Türken haben sich entschieden, und zwar mit äußerst knapper Mehrheit für Erdogan's Pläne eines Präsidialsystems. Zwar kann ich nicht verstehen, wie Bürger ohne Not freiwillig auf ihre demokratischen Rechte verzichten wollen, andererseits hätte Erdogan mit Sicherheit keine Ruhe gegeben, bis er seine Vorstellungen umgesetzt hat, ob jetzt mit Neuwahlen oder einem neuen Referendum. So kann jetzt wenigstens wieder etwas Ruhe einkehren, soweit dies angesichts der Hälfte der Wähler, die dagegen waren, möglich ist.
Enttäuscht bin ich von den in Deutschland lebenden Türken mit doppelter sowie rein türkischer Staatsbürgerschaft, von denen zwei Drittel pro Erdogan waren. Sich im demokratischen Deutschland ein schönes Leben zu machen und gutes Geld zu verdienen, dann aber in der Türkei die andere Seite zu wählen, das passt in meinen Augen nicht zusammen. Den Hammer finde ich allerdings die Tatsache, dass Türken mit doppelter Staatsbürgerschaft auch in Deutschland noch einmal zur Wahl im September gehen und damit gleich zweimal ihrer Stimme Ausdruck geben dürfen, während wir deutschen Wähler nur eine Stimme haben. Wenn ich zu entscheiden hätte, gäbe es wieder das schon einmal bestehende Einstaatenprinzip, nach dem der deutsche Pass zurückgegeben werden muss, wenn noch eine andere Staatsbürgerschaft existiert. Nur Türken mit deutschem Pass sollten gleiche Rechte und Unterstützung wie die Deutschen bekommen. Wer den türkischen Pass behalten will, bekommt dann etwa das Kindergeld nur noch in Höhe des in der Türkei ausbezahlten Kindergeldes, das sind pro Kind und Monat lediglich 10 Euro. Sich überall die Rosinen herauszupicken hat dann ein Ende, und wer denkt, dass es Erdogan besser macht, sollte auch gleich wieder zu ihm zurückgehen. Übrigens: ich wähle nicht AfD, also stellt mich nicht gleich in diese Ecke! Leider gibt es keine wählbare Partei, in der ich mich wiederfinde, die Antworten der Politiker auf den Brexit, die Flüchtlingskrise, die AfD oder Erdogan waren durch die Bank erbärmlich.
Inwieweit meine Planung und die Reiseroute in der Türkei durch das Ergebnis in der Türkei beeinflusst werden, können erst die nächsten Wochen und Monate zeigen. Ich hoffe, die zerfahrene Beziehung entspannt sich wieder , und Deutsche sind wieder so willkommen in der Türkei wie in der Vergangenheit. Auch im Iran wird übrigens im Mai gewählt, man kann nur hoffen, dass die Hardliner nicht die Oberhand gewinnen.  


Armut: vergangenen Monat gab es den Armutsbericht der Bundesregierung. Eine Schande, dass man über die einzelnen Formulierungen erst mal ein halbes Jahr feilschen musste, obwohl doch unbestreitbar ist, dass die Superreichen politisch einen viel größeren Einfluß haben als der Rest der Bevölkerung. Jedoch die CDU/CSU wollte das nicht im Bericht stehen haben. So ist die Anzahl derjenigen, die weniger als 60 % des durchschnittlichen Einkommens erhalten, in Deutschland auf 15,7 % oder 12,9 Millionen Menschen gestiegen. Jeder kennt sie, die Flaschensammler, die jeden Mülleimer auf der Suche nach Essensresten und Pfandflaschen durchwühlen. Sie sind nur die Spitze des Eisbergs. So stieg die Armutsquote bei Rentnern von 2005 bis 2015 von 10,7 auf 15,9 %, bei Alleinerziehenden beträgt sie 44 % und bei Erwerbslosen sogar 59 %. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander; während die ärmeren 40 Prozent der Deutschen in den letzten 20 Jahren einen Reallohnverlust von 7 % hinnehmen musste, werden die Reichen immer reicher. Die obersten 10 Prozent besitzen die Hälfte des deutschen Nettovermögens, während es die unteren 50 Prozent nur auf 1 % bringen. Frau Merkel und ihre Partei fördern diesen Trend weiter, aber der wichtigste Trendsetter war der SPD-Kanzler Schröder mit seiner Agenda 2010 und dem Verzicht auf Vermögens- und Reichen-Steuer.
Besonders krass ist dieser Armutsbericht auch deshalb, weil Deutschland mit einer Abgabenlast von durchschnittlich 49,4 % an zweiter Stelle aller OECD-Staaten steht, nur die Belgier müssen noch mehr bezahlen. Frankreich kommt auf etwa 40 % Abgaben, und die Neuseeländischen Familien können bis auf 6,2 Prozent alles für sich ausgeben. Geld sollte also genug dasein, aber das braucht man ja für Bankenrettungen, Wirtschaftsförderung und völlig unsinnige Militäraktionen wie in Afghanistan oder Mali. Kein Wunder, dass sich Unzufriedenheit und Zukunftsangst für AfD oder Front National auszahlen.


Andrea: mit Freude habe ich in einer Mail von Andrea gelesen, dass sie, Marco, Erwin, Marina und Peter nun doch in den Iran reisen werden, und das auch noch in einem Zeitfenster, das meinem recht nahe kommt. Sie lassen ihre Maschinen ebenfalls von West-East-Travel nach Tiflis bringen und fliegen von dort auch wieder nach Hause. Da hoffe ich doch, dass wir uns im Iran auch irgendwo treffen und vielleicht sogar ein Stück gemeinsam reisen können.


Amerika: Am Wochenende fliegt Jörg, mit dem ich schon zweimal in Südamerika war, zu seinem Motorrad nach Halifax, um damit bis zum Herbst die USA und Kanada zu bereisen. So etwas habe ich ja für mein Rentnerleben auch noch geplant, allerdings wohl eher mit dem Jeep.
die Alternative zum Motorrad: Jeep Wrangler
Für alle, die so neugierig auf seine Reiseberichte sind wie ich, habe ich seinen Blog rechts unten verlinkt. Das wird bestimmt eine tolle Reise!



Montag, 10. April 2017

Ausweis & Co

Mit unserem Personalausweis läßt es sich in der EU wunderbar reisen, viele fernere Länder wollen aber einen Reisepass sehen. Im Iran darf dieser keinen israelischen Stempel enthalten und muss noch 6 Monate gültig sein, um erfolgreich ein Visum beantragen zu können. Bei mir kein Problem, ansonsten gibt es die Möglichkeit eines zweiten Passes. Der kann später auch eine Einreise in die USA einfacher machen, wenn man ein iranisches Visum im Pass hat. Mein Zweitpass ist leider schon eine geraume Zeit abgelaufen, und nur wegen des Iran-Visums lohnt sich der Aufwand nicht.
Neben dem Pass brauchen Reisende mit eigenem Fahrzeug oft auch einen internationalen Zulassungsschein. Dieser grüne Ausweis enthält auf der letzten Seite rechts alle Daten des Fahrzeugs, während man links dazu die Bezeichnungen in verschiedenen Sprachen daneben legen kann. Eine Hilfe für manche Grenzbeamte, die so einen Ausweis auch durchaus mal auf den Kopf gestellt ansehen. Außerdem wird der internationale Führerschein verlangt, den es in 2 Ausführungen gibt. Der dünnere graue Ausweis gemäß Übereinkommen vom 8.November 1968 enthält ein Foto, die jeweiligen Fahrerlaubnisklassen und ist 3 Jahre in fast allen Ländern gültig. Fast, den in manchen Ländern wie Ägypten, Chile, Argentinien oder Peru ist nur der internationale Führerschein gemäß Abkommen vom 24.April 1926 gültig. Und der ist nur ein Jahr ab Ausstellung gültig. Angeblich will auch die Türkei diesen sehen, während der Iran wiederum den anderen will. Nach Informationen im Internet braucht man in der Türkei aber überhaupt keinen internationalen Führerschein. Ich habe mich letztlich entschieden, mir den normalen internationalen Führerschein für 3 Jahre zu holen. Gekostet hat er bei der Zulassungsstelle 15 Euro, dazu noch 10,80 Euro für den Internationalen Zulassungsschein.

Eine Reise ist immer ein guter Anlass, seinen Impfschutz mal wieder aufzufrischen. Bei mir waren Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Polio überfällig, das zahlt jede Krankenkasse. Für den Impfstoff gegen Hepatitis A+B sowie Tollwut musste ich in der Apotheke knapp 150 Euro hinlegen, dazu kamen noch einmal 30 Euro beim Arzt für die Impfungen selbst. Normalerweise übernimmt die Techniker Krankenkasse solche für die Reise notwendigen Impfungen im Gegensatz zur DAK, bei der ich früher Mitglied war. Den Antrag habe ich gestellt, mal sehen ...        
Nachtrag: inzwischen muss man 10% der Impfmittel zuzahlen, die restlichen 90% sowie Beratungskosten und die Impfung selbst werden von der TK ohne Probleme übernommen.
  

Donnerstag, 6. April 2017

Menschen woanders sind anders ....

Schon in Deutschland trifft man in den einzelnen Bundesländern auf recht unterschiedliche Menschen und Mentalitäten. So gelten die Norddeutschen als wortkarg, beim Fehlen der dort fast immer vorhandenen Brise sprechen sie gleich von "drückender Luft". Die Schwaben dagegen halten die dicke Luft in Stuttgart gut aus und sind nicht nur sehr gesprächig, sondern gelten auch als Erfinder des Geizes. Und seit der Wiedervereinigung beschimpfen sich West und Ost als „Jammer-Ossis“ und „arrogante Besser-Wessis“. Wenn schon bei uns eine so große Vielfalt zu finden ist, wie ist es dann erst in fremden Ländern und Kulturen?
Ein wichtiger Unterschied, der auch den Daheimgebliebenen durch den Zuzug der vielen islamischen Flüchtlinge vor Augen geführt wird, ist die Religionszugehörigkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten wie etwa dem Iran oder Saudi-Arabien gibt es bei uns eine strikte Trennung von Religion und Politik. Andere Religionen wie die verschiedenen Formen des Islam, der Buddhismus, der Hinduismus, das Judentum oder die verschiedeneren Ausprägungen bestimmter Ethnien können bei uns genauso ausgeübt werden wie das Christentum oder der Atheismus. Der Einfluss der Kirche auf Politik und Staat ist bei uns zwar immer noch da, aber mit der zunehmenden Säkularisierung der letzten hundert Jahre nimmt er ständig ab. Wusstet ihr, dass 1950 lediglich 3,6 Prozent aller Deutschen konfessionslos waren, 2013 aber schon 33 Prozent? Auch in meinem Reiseziel Türkei gab es mit dem Laizismus seit 1923 eine Trennung von Staat und Religion und die Abkehr vom Osmanischen Kalifat. Ob das in der nächsten Zeit so bleiben wird? Noch entscheiden die Türken selber über ihre Zukunft. Im Iran dagegen durchdringt seit der Islamischen Revolution vor fast 40 Jahren die Religion so gut wie jeden Winkel des sozialen Lebens. Über 99 % der Iraner sind Muslime, davon bekennen sich die meisten zur Staatsreligion "Zwölfer-Schia", der Rest zum sunnitischen Islam. Der Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten besteht in der Frage, wer zum Führen der islamischen Gemeinde legitimiert ist. Bei den Schiiten sind das nur direkte Nachkommen des Propheten Mohammed, die Imame. Es gab einst 11 Imame, aber auch noch einen verborgenen 12.ten Imam, der irgendwann auf die Erde zurückkehren, den Islam überall verbreiten und eine Ära einleiten soll, die dem Ende der Welt vorausgeht. Artikel 13 und 14 der iranischen Verfassung schützen auch religiöse Minderheiten wie das Christentum, das Judentum oder der Zoroastrismus. Deren Mitglieder müssen aber die Kleidervorschriften befolgen und dürfen keine Muslime als Mitglieder werben. Was wohl sowieso eher theoretischer Natur sein dürfte, wird der Abfall vom Islam im Iran doch mit der Todesstrafe geahndet.
Für die Entwicklung eines Landes von enormer Bedeutung sind Bildung und Wohlstand. Schaut man auf die folgende Tabelle von 2015, so liegt Deutschland mit rund 41000€ durchschnittlichem Jahreseinkommen auf Platz 18. Jeder Schweizer hat fast doppelt so viel, in Monaco ist es sogar das Dreifache. Allerdings sind dort natürlich auch die Lebenshaltungskosten entsprechend höher. Jeder Grieche verdient etwa halb so viel wie ein Deutscher, und jeder Türke sogar nur ein Viertel. Kein Wunder, dass es sich immer noch lohnt, in Deutschland zu arbeiten und sein Geld in die Heimat zu schicken. Ein Iraner hat noch einmal die Hälfte des türkischen Durchschnittseinkommens und damit rund ein Zehntel eines Deutschen. Doch vergessen wir auch hier nicht die Kosten; so bezahlt ein Iraner für den Liter Benzin momentan 37 Cent, bei uns sind es viermal so viel. Ganz am Ende der Skala kommen dann viele afrikanische Staaten, z.B. Äthiopien mit 532€, aber auch Afghanistan mit 550€ Jahresbruttoeinkommen. Wenn ich diese Zahlen sehe, wird mir auch klar, dass für jeden zukünftigen Flüchtling Europa der Garten Eden sein muss. Hat man erst die Strapazen der Flucht geschafft, bekommt man etwa in Deutschland für Nichtstun jeden Monat das an Geld vom Staat, was man zuhause in harter Arbeit nur im ganzen Jahr verdienen kann. Dass die Kosten für den Lebensunterhalt bei uns aber auch entsprechend hoch sind, daran denkt vorher sicher keiner. Hauptsache raus aus der Armut und ab ins Gelobte Land!
Und was geben die einzelnen Länder aus für ihre Zukunft? Deutschland liegt mit 5,1% vom BIP, die für Bildung ausgegeben werden, auf dem bescheidenen Platz 74, noch vor dem Iran mit 3,7% und der Türkei mit 2,9%. Alle Nordeuropäer stehen vor uns, Dänemark mit 8,7% auf Platz 8. Die Spitzenpositionen halten allerdings Kuba mit 12,8% und Lesotho mit 13% vom BIP. Da gibt es bei uns noch eine Menge Nachholbedarf, zumal in Deutschland etwa ein Fünftel aller Kinder an der Armutsgrenze lebt und beim Thema Bildung krass benachteiligt wird. Kein Wunder, dass es in Deutschland 7,5 Millionen funktionale Analphabeten gibt, und die Zahl könnte mit der weiteren Verdrängung des Bücherlesens durch die sozialen Medien und das Smartphone noch steigen. Ich wundere mich immer öfter, dass selbst in Führungspositionen zwar immer mehr Abkürzungen und Anglizismen verwendet werden, aber kein richtiges Deutsch mehr. Ihr kennt sicher alle das Bild aus dem Biologiebuch, wie sich im Laufe der Evolution aus dem Affen über den Urmenschen der Homo sapiens mit seinem aufrechten Gang entwickelt hat. Wie wird es weitergehen? Ich vermute, wir sind schon dabei, uns geradewegs wieder zurück zu einem affenähnlichen Wesen zu entwickeln. Wenn ich die vielen Menschen um mich herum sehe, die in schon wieder gebückter Haltung auf ihr Handy starren und entzückt über ein „Like“ oder „Smilie“ sind, dann ist das in meinen Augen Rückschritt pur! Wie die Lemminge laufen die Smombies (Smartphone Zombies) den Trends und Hypes hinterher und nicht selten mit Kopfhörer drauf direkt in die Straßenbahn.
Eine interessante und mir bis dahin nicht bekannte Information las ich in dem schönen und auch kritischen Buch von Christopher Many „Hinter dem Horizont links“ über seine Reise mit einem uralten Land Rover. Im Kapitel über Äthiopien fragte der sich, warum ausgerechnet in einem afrikanischen Land, das nie richtig kolonisiert wurde, die Eigenverantwortung für Leben und Zukunft kaum wahrgenommen und stattdessen immer nur die Hand aufgehalten wird mit der Forderung nach Hilfe von außen. Jeder Äthiopien-Reisende berichtet von den Kindern mit ihren „youyou“ und „money“ Rufen, die Steine werfen, wenn sie nichts bekommen. Äthiopien hatte 1960 etwa 22 Millionen Einwohner, heute sind es viermal so viele, und 2040 wird sich die Bevölkerungszahl erneut auf etwa 160 Millionen Menschen verdoppelt haben. Es gab dort schon immer Hungersnöte, oft nur in einzelnen Provinzen. Um die Ackerfläche zu vergrößern, rodete man den Wald. 1960 waren noch 37 % des Landes Wald, 2012 nur noch 3 %. Der Wald aber schützte die Ackerflächen vor Erosion, und so gehen die Ackerflächen wieder zurück. Der Verfall der Kaffeepreise trug zusätzlich zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen bei. Allerdings exportiert Äthiopien Kaffee und Ölsamen sowie Vieh in viele Länder der Welt, sein Nutztierbestand ist der größte in Afrika. Es gibt große ungenutzte Vorkommen an Kohle, Edelsteinen, Gold, Erdgas, Eisenerz, Öl, Kupfer, Platin und Uran, der am Blauen Nil durch Wasserkraft gewonnene Strom wird sogar in den Sudan exportiert. Jeder Europäer würde sich nun fragen, wie man den Hungersnöten langfristig Einhalt gebieten könnte. Etwa durch drastische Reduzierung der Geburtenrate, vorausschauende Planung in der Landwirtschaft, das Anlegen von Wasserreservoirs , der Nutzung vorhandener Ressourcen, der Reduzierung der vielen Feiertage , der Aufhebung des Fastengebots an 180 Tagen im Jahr(!) und dem massiven Ausbau der Infrastruktur. Warum können das die Äthiopier nicht? Hier nun verweist Many auf weltweite Studien zum Intelligenzquotient, die 2006 von Richard Lynn veröffentlicht wurden. Danach hat ein durchschnittlicher Deutscher einen IQ von 100, ein Äthiopier kommt jedoch nur auf einen IQ von 61, bei dem man bei uns in Behandlung käme, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Man kann ja zur IQ-Messung, die übrigens eine europäische Erfindung ist, stehen wie man will, aber es gibt eindeutig regionsspezifische Unterschiede. IQ meint Auffassungs- und Kombinationsgabe sowie Lernfähigkeit ohne Einfluss des Bildungsniveaus und der vorhandenen Leistung. Theoretisch sollte also ein Analphabet aus Afrika denselben IQ wie ein studierter Europäer haben können, was ich aber doch sehr bezweifele. Ganz vorne im Ranking liegen übrigens die Länder im Nordosten Asiens, also Singapur, Hongkong, Japan, Südkorea, Taiwan und China. Ein Erklärungsversuch dafür sieht einen Zusammenhang zwischen Temperaturen und IQ. In den heißen afrikanischen Ländern ist der Körper eines Heranwachsenden voll mit dem Überleben in der Hitze beschäftigt, während Kinder im klimatisch günstigeren Norden ihre ganze Energie für das Gehirnwachstum einsetzen können. Menschen beispielsweise in Äthiopien fehlt oft das abstrakte Denkvermögen, sie sind mit dem Hier und Jetzt beschäftigt, kümmern sich um den Nachwuchs, Essen und Trinken. Bekommen sie einen Sack Getreide, wird der restlos aufgegessen statt einen Teil für das nächste Jahr wieder anzubauen. Haben sie eine Angel, wird der See leergefischt. An Morgen denken sie nicht, es ist in ihren Augen sinnlos, weil sie gar nicht wissen, was morgen ist. Wie ganz anders ist da doch unsere deutsche Vorgehensweise, indem wir uns selbst gegen ganz unwahrscheinliche Ereignisse in der Zukunft absichern wollen. Bitte verwechselt nicht IQ mit Dummheit. Wenn ein Europäer mit einem Äthiopier einen Monat im Busch unterwegs wäre, ist mit Sicherheit der Europäer der Dumme, weil er nicht weiß, wie man überlebt und wo man etwas zu Essen herbekommt. Äthiopien ist nur ein afrikanisches Land von vielen mit denselben Problemen. Derzeit leben 1,1 Milliarden Menschen in diesem Erdteil, bis 2050 wird sich ihre Anzahl auf über 2 Milliarden verdoppelt haben. Wenn dieser explosionsartigen Zunahme nicht Einhalt geboten wird, ist der einzige Weg aus diesem Dilemma die Migration in den „“reichen Norden“. Ob wir einen solchen Ansturm schultern können, daran habe ich doch erhebliche Zweifel. Gegen diese Herausforderungen sind der Brexit, ein Trump oder Putin lediglich Peanuts.
Nach diesem Ausflug nach Afrika wieder zurück zu meinen Reiseländern Türkei und Iran. Beide haben etwa dieselbe Bevölkerungsanzahl wie wir Deutschen; allerdings ist die Türkei mehr als doppelt so groß und der Iran sogar fast fünfmal größer als Deutschland. Der Zuwachs ist weit höher als bei uns, allerdings Lichtjahre entfernt von dem in einigen afrikanischen Staaten. Auch hier zeigt sich, dass mit zunehmender Bildung die Anzahl an Nachkommen sinkt. Während die Türkei irgendwo zwischen westlichen Kapitalismus und Moderne einerseits sowie ihren eigenen Tradition andererseits steht, ist das öffentliche Leben im Iran durch die Religionsvorschriften neu ausgerichtet worden. Was uns Westeuropäern schon bei der Beantragung des Visums ins Auge sticht, ist die Kleiderordnung. Keine kurzen Hosen oder T-Shirt für Männer, Frauen müssen darüber hinaus sogar noch Mantel und Kopftuch tragen. Alkohol ist generell verboten, pornografisches Material ebenso; wenn ich an die Hooligans bei einem Fußballspiel mit dem Bier in der Hand oder an die Alkoholleichen auf dem Münchner Oktoberfest denke, gar keine schlechte Regel. Im privaten Umfeld scheint es nach Reiseberichten ja durchaus Ausnahmen zu geben. Diskotheken gibt es auch nicht, Musikveranstaltungen unterliegen der Zensur. Öffentliche Knutscherei ist auch verpönt, aber die iranische Geburtenrate ist trotzdem höher als bei uns. Männer und Frauen fahren getrennt voneinander im Bus, was sich bei uns sicher so manche Frau im überfüllten Bus wünschen würde. Händeschütteln ist auch nicht angesagt, und als fremder Mann darf man auf keinen Fall eine Frau berühren. Das gipfelt darin, dass man bei erster Hilfe notfalls auf eine Frau warten muss, hat aber andererseits für alleinreisende Frauen auch den Vorteil, dass man nicht angebaggert wird. Die Nase schnäuzen sollte man auf der Toilette, Hunde gelten im Iran ebenfalls als unrein. Im Gegensatz zu uns Deutschen gelten die Iraner aber als extrem gastfreundlich und hilfsbereit. Kurzum: das Leben ist dort sicher anders, aber nicht unbedingt schlechter. Ich übe schon einmal daheim und habe seit Fasching auf jeglichen Alkohol verzichtet. Ist doch gar nicht schwer!