Kaum aus dem Kurzurlaub zurück, hielt ich meinen Pass mit dem Visum in Händen und konnte das Carnet beim ADAC beantragen. Früher hatte ich das schon in München und Frankfurt ohne Probleme gemacht. Den Antrag kann man sich beim ADAC online herunterladen, da stehen dann auch Informationen über die Gebühren und die zu hinterlegende Kaution. In der Preisgruppe 1 sind für meine KTM immerhin auch schon 3000 € Kaution fällig mit einem Zeitwert von bis zu 7500 €. Wäre ich mit dem Jeep Wrangler gefahren, wären es aber schon 30000 € Kaution gewesen, also das Zehnfache, zuzüglich der 210 € Gebühren für ADAC Mitglieder. Die Zeiten, als man sich für kleines Geld eine Bankbürgschaft für die Kaution besorgen konnte, sind auch langsam vorbei; entweder werden unverschämte Zinsen verlangt, oder die Bank bietet das gleich gar nicht mehr an. Besonders wichtig ist das Ablesen der Motornummer, denn die steht nicht in den Fahrzeugpapieren. Manche Grenzbeamten sind da sehr akribisch, und wehe, die Nummer stimmt nicht mit der im Carnet überein.
Als ich nach Zahlung der 3210 € den Antrag beim ADAC in Mainz abgeben wollte, konnte der erste Mitarbeiter an der Information mit dem Begriff "Carnet" schon mal nichts anfangen. Bravo, das ging ja gut los. Der nächste wusste dann zwar, was ein Carnet ist, meinte aber, Mainz sei dafür nicht zuständig. In München und Frankfurt war gerade niemand erreichbar, den er fragen konnte. So gingen wir noch einmal gemeinsam durch das Formular, ich unterschrieb, und er schickte alles zusammen nach München. Hoffentlich geht das gut. Von Hause aus bin ich ja manchmal Pessimist, nachdem ich in den letzten Jahren öfters mal die "A....karte" gezogen hatte, andere aber unbehelligt davon kamen. Vielleicht sollte ich in einigen Tagen mal beim ADAC anrufen und nachfragen ......
Kaution für Carnet de Passage |
Mal angenommen, ein Deutscher arbeitet in Hamburg für ein Jahresbruttogehalt von 52000 €, so bekommt der nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters 2211 € Rente, soweit er nicht noch privat vorgesorgt hat. Ein Österreicher mit 49000 € Jahresbrutto , also etwas weniger, erhält aber 2956 € Rente im Monat, und das nicht nur 12 x wie bei uns, sondern 14 x, weil es in der Alpenrepublik auch Weihnachts- und Urlaubsgeld für Rentner gibt, was letztlich einer Monatsrente von rund 3500 € brutto entspricht. 2211 gegen 3500 Euro, wie kann das sein? Ein wichtiger Unterschied: in Österreich bezahlen alle ins System ein, also auch Selbständige und Beamte. Wenn dort einer mehr verdient, muss er auch mehr einzahlen. Die Auszahlung ist jedoch auf maximal 4980 € im Monat brutto begrenzt, da bekommen also "die Reichen" eventuell weniger raus als sie eingezahlt haben. Zweiter Unterschied: bei uns bezahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils die Hälfte von 18,7 % des Bruttolohnes an die Rentenkasse, also jeder 9,35 %. In Österreich bezahlt der Arbeitnehmer 10,25 %, also 0,9 % mehr als sein deutscher Kollege; der Arbeitgeber jedoch bezahlt 12,55 % in die Rentenkasse, also 3,2 % mehr als der deutsche Unternehmer. Offenbar florieren die österreichischen Unternehmen trotzdem, es wäre also auch bei uns machbar. Nur gibt es bei uns keine Regierungspartei, die der Wirtschaft auch nur irgendwo einen Euro wegnehmen will. Kein Wunder, gehen doch Politiker, die Wirtschaftsbosse und bekannte Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen alle in dieselben Locations und reden mehr miteinander als mit ihren Bürgern oder Angestellten. Jeder "arbeitslose Politiker" findet sofort einen Job in der Wirtschaft, da kann er vorher angestellt haben, was er will. Auch bei uns Bürgern gibt es keine Proteste mehr gegen das soziale Ungleichgewicht wie in meiner Studentenzeit. Vielmehr will heute jeder selbst die Karriereleiter nach oben klettern, selbst die Schüler laufen schon gestylt und im Sakko herum, alle passen sich an. Mehr als 28 % aller 20 - 29-Jährigen glauben, dass sie aus eigener Kraft in ihrem Leben Millionär werden können! Dafür leben sie. Furchtbar! Und umso mehr ein Grund, öfter mal die eigenen engen Grenzen zu verlassen und in Nah und Fern neue und ganz andere Erfahrungen zu sammeln. Geld kann man nicht essen, man kann sich dafür nur Dinge kaufen. Aber Erlebnisse und Erfahrungen kann man nicht kaufen, genauso wenig wie man echte Liebe im Puff kaufen kann.