Freitag, 8. September 2017

Göreme und Uchisar

Um 5:50 Uhr klingelte der Wecker, aber da waren die ersten Heißluftballons schon unterwegs. Toll anzusehen, wie sich etwa 100 Ballons einer nach dem andern in die Lüfte erhoben und fast lautlos bewegten. Nach der ersten Fotosession ging es dann aber erst mal wieder ins Bett, ist ja schließlich Urlaub.
die ersten Heißluftballone über Göreme
lautlos bis auf ein kurzes Fauchen der Brenner
über 100 Ballone sind es nachher
sie werden schon von der Morgensonne angestrahlt
auch Göreme erwacht so langsam
So eine Ballonfahrt dauert eine Stunde und kostet so zwischen 200 und 250 Euro für eine Stunde. Einer erzählte mir, der Ballonführer wäre kurz nach dem Start ganz tief runter zu einem Apfelbaum, und jeder durfte sich einen mitnehmen, bevor es wieder nach oben ging. Wäre da nicht meine Höhenangst......Nach dem Frühstück machte ich mich mit der KTM auf nach Uchisar. Unterwegs dann das zweite Auto mit deutschen Kennzeichen, seit ich durch die Türkei fahre. Ein Deutschtürke, der in Düsseldorf zu Hause ist, und mit dem ich auch gleich ins Gespräch kam. Von einem Aussichtspunkt aus genoß ich einen herrlichen Blick ins Tal von Göreme mit seinen "Pilzköpfen". Uchisar besteht aus einer "Burg", um die herum das Städtchen liegt. Sehr schöne verzierte Häuser zum Teil, viele der Felsen sind bewohnt oder es sind Höhlenwohnungen angelegt. Die meisten Touristen sind Türken, so auch die Familie aus Antalya, die zum Wochenende einen Ausflug nach Kappadokien machte. Nachdem es heute mit 32°C wieder "normal heiß" war, zog ich mich dann am frühen Nachmittag in meine "Höhlenwohnung" zurück, um Blog und Bilder zu bearbeiten und zu überlegen, wohin es morgen gehen soll.
Teppichhändler in Göreme
Kamele tragen hier Strohhut
gutgelaunte Türken auch ...
Blick ins Tal von Göreme
eine türkische Familie macht Urlaub
die "Pilzköpfe"
Blick auf Uchisar
Blick vom Castle in Uchisar
Blick von oben auf Uchisar
die Höhlenwohnungen von Urchisar
und wieder zurück in Göreme
Das tat gut, heute mal Zeit zu haben. Ein Buch lesen, die Kette einsprühen, duschen und relaxen, eben all das, was man bei einem normalen Urlaub so macht. Aber bei mir muss es ja immer anders sein... Abends bin ich schon mal in den nächsten Ort zum Volltanken gefahren, morgen ganz früh geht es los. Ich habe mich jetzt doch entschlossen, Nemrut Dagi zu besuchen, das sind doch etliche Kilometer bis dahin. Leider kann man gerade bei booking.com nichts in der Türkei buchen, aus welchem Grund auch immer. Aber ich habe mir eine Unterkunft rausgesucht, die fahre ich an. Heute ist es zum Glück am Abend viel wärmer als gestern, man kann noch im T-Shirt draußen sitzen. Abends habe ich dann noch ein paar Bilder gemacht. Da ich nicht sicher bin, morgen WLAN zu bekommen, und danach auch schon bald der Grenzübergang in den Iran ansteht, könnte es sein, dass ihr ein wenig Geduld haben müsst.
mein Höhlenzimmer
mein Zimmer liegt fast oben
Göreme zum Abendgebet
und noch einmal der Blick von meinem Zimmer

nichts geht mehr ....

Das der Weg nach Kappadokien lang werden würde, ar mir klar, deshalb stand ich früh auf und ging lecker frühstücken.
so sieht türkisches Frühstück aus
Um 9:30 Uhr war alles gepackt und ich fuhr los. Getankt hatte ich schon am Abend zuvor. Von Anfang an blies mir ein kalter Wind ins Gesicht. Trotz wolkenlosen Himmel war es heute fast 10°C kälter als die Tage zuvor, die Straße führte auch fast immer oberhalb der 1000m Grenze entlang. Nach einem Drittel musste ich aus dem Kanister nachtanken und stellte mich zum Aufwärmen in die Sonne. Städte wie Konya kosteten viel Zeit, aber sonst war die Straße meist gut ausgebaut. Das vorgeschriebene Tempolimit für Motorräder von 80 km/h auf Autobahnen halte ich auch schon längst nicht mehr ein, aber mehr als ein 70km/h-Schnitt wird es trotzdem nicht. Etwa 100 km vor dem Ziel musste ich noch einmal alles abladen und tanken. Als ich die Maschine anschließend starten wollte, tat sich nichts. Kein Anlasser, keine Lampen in der Armatur, nur das Front- und Rücklicht ging an. 18 Uhr, in 1 1/2 Stunden wird es dunkel, was tun? Erst mal alle Sicherungen ausgebaut und geprüft, Fehlanzeige. Batterie raus, alle Kabel überprüft, wieder nichts. Ein Türke meinte dann, das liegt am Kabel vom Zündschloss, also Seitenteile runter, auch nichts. Ein anderer Türke wollte die Zündspule kurzschließen, ohne Erfolg. Zum Glück war direkt nebenan ein Hotel, da konnte ich zu mindestens schlafen. So langsam bekam ich doch Zweifel an der Zuverlässigkeit der KTM; vor allem, wer sollte das reparieren? Schließlich wollten mich 2 Türken noch Anschieben, aber da tat sich auch nichts. Und weil er nicht glauben wollte, dass ich dabei den Anlasser betätigt habe, drückte er selbst auf einen Schalter, und siehe da, plötzlich blinkten die Birnchen im der Armatur wieder, und das Moped sprang an. Kenner wissen es längst, der Kill-Schalter war umgelegt, das war der Grund. Warum ich daran nicht gedacht habe! Da muss ich mir wirklich selbst ans Hirn langen, aber ich bin eben kein eingefleischter Motorradfahrer, sondern benutze das Gefährt zum Reisen. Aber ich war ja so froh, dass es nichts Ernstes war. Schnell wurde das Gepäck verzurrt, und ich fuhr im Dunkeln die letzten 100 km nach Göreme bei Eiseskälte. Schade, dass ich so spät ankam, aber die Felsenkegel mit den darin gebauten Hotels gefallen mir super. Ich schlafe jetzt in so einem Höhlenzimmern, man fühlt sich wie beim Herrn der Ringe. Morgens um 6 Uhr fliegen die Ballons, mal sehen, ob ich es schaffe, sie zu photographieren. (Track7)

Mittwoch, 6. September 2017

die Türkei ist nicht so ....

Heute morgen gab es erst mal ein super Frühstück, und das bei einem Preis von umgerechnet 20 Euro für das Luxuszimmer. Es stellte sich heraus, dass eine Deutsche aus Meersburg das Guesthouse im Sommer betreibt. Sie sagt selbst, dass dort ihre Familie ist und sie sich da auch nicht vertreiben lassen will. Gehören tut das wohl einem türkischen Brüderpaar, von denen einer noch das Hotel nebendran betreibt. Irgendwie ist aber alles eines. Wie auch immer, die Übernachtungszahlen sind einfach drastisch eingebrochen, vieles steht leer. Und dabei hat sich - von den Politikern mal abgesehen -am Verhältnis zwischen Türken und Deutschen nichts geändert. Ich kann nur allen Deutschen raten, lasst euch keine Angst machen und fahrt in die Türkei, wenn ihr das vorhattet. In Bergama ist dieses Guesthouse auf jeden Fall eine gute Adresse.
Nach Frühstück und ausgiebigem Gespräch mit der "Chefin" lief ich zur Seilbahn, um zur Akropolis hochzufahren. Als ich zwei ältere Türken nach dem Weg fragte, schüttelten sie mir die Hand und stellten sich mit Namen vor. Während ich lief, überholte mich ein Radfahrer, das war der Mann an der Kasse. Es war 10:30 Uhr, die Akropolis hatte seit 8 Uhr geöffnet, aber es gab kein Publikum für die Seilbahn, ich war der erste! Oben natürlich auch, da standen die ganzen Andenkenlädenbesitzer und drehten Däumchen, ach nein, heute schaut man gemeinsam ins Handy. Mensch, Bergama, das ist Pergamon, wo im Berliner Museum die Menschen Schlange stehen! Man müsste Gabriel & Co. auf Schadenersatz verklagen, was sie da angerichtet haben.
Am interessantesten fand ich den Trajan-Tempel und das Theater mit 10000 Plätzen. Da hier auch immer wieder deutsche Gruppen graben, steht alles auch auf deutsch auf den Tafeln. Mir wurde zwar empfohlen, den Weg runter zu laufen, aber ich wollte nicht zuviel Zeit verlieren.

mein Guesthouse

Trajan-Tempel


Theater

die Rote Halle

Vor dem Aufstieg hatte ich übrigens schon den Fehler gefunden, warum mein Navi nicht mehr lud. Es war eine Sicherung unter der Sitzbank, und zum Glück hatte ich Ersatz dabei. Dafür löst sich bei meinen Wanderschuhen so langsam die Sohle. Mal sehen, wie lange das noch gutgeht. Mit einem Verbrauch von etwa 3,5 l auf 100 km schaffte ich die heutige Etappe ohne Tankstop und war schon kurz vor 17 Uhr in Pamukkale. So wünsche ich mir alle Reisetage, abends noch Zeit für den Blog, und keine Fahrten im Dunkeln. Nach dem Duschen ging ich zum Sonnenuntergang auf die Sinterterrassen bis hoch nach Hierapolis. Satte 35 TL musste ich zahlen; oben fiel mir dann ein, dass ich 2006 bis oben mit dem Motorrad gefahren war und mir den Eintritt dadurch gespart hatte. Auch wenn das Hotel einen Pool hat, ist es erschreckend leer, außer mir sind nur 2 Zimmer belegt. Das sieht auf den weißen Terrassen erst mal anders aus, da wuselt es nur so von Menschen. Aber gegenüber 2006 ist es auch viel weniger, und es stehen einfach viele Hotels leer. Auf dem Rückweg wollten mich gleich mehrere Hotelbesitzer in ihr Hotel abschleppen, einer warb mit andern deutschen Motorradfahren. Vielleicht treffe ich die ja noch. Seit ich in der Türkei bin, habe ich ein deutsches Auto und zwei Franzosen gesehen, ansonsten nur Türken.
Seit dem ersten Tag schleppe ich eine Erkältung mit mir rum, wahrscheinlich durch das Regenwetter bei der Anfahrt zur Fähre. Zuerst war es der Hals, dem ich erfolgreich mit Hustenbonbons Widerstand leistete, jetzt läuft mir die Nase, ich verbrauche jede Stunde eine Packung Tempos. Bei weit über 30°C irgendwie sonderbar.  Morgen ist wieder ein langer Tag, knapp 700 km nach Göreme, wo ich dann allerdings 2 Nächte bleibe. (Track 6)


Hierapolis Theater


Pamukkale

abwärts ....

Dienstag, 5. September 2017

Grenzübertritt Türkei

Der Muezzin ruft zum Abendgebet, es hört sich wunderbar melodisch an. Ich bin in der Türkei, wohin kein Deutscher mehr fahren soll, wenn es nach den deutschen Politikern geht. Aber der Reihe nach.
Campingplatz in Alexandroupolis
Morgens gab es erst mal Müsli, das Mopped muss abspecken. Dann fuhr ich zum Tanken, ohne Gepäck ist das eine Sache von Minuten. Anschließend baute ich erst mal die Lampe ab, um zu sehen, ob eine durchgeschmorte Sicherung das Problem mit dem Navi verursacht haben könnte. Aber da war gar keine eingebaut. Muss ich hinten noch einmal bei Gelegenheit nachsehen.  Und dann endlich das ersehnte Bad in der Ägäis, meinen Fotorucksack mit den Geldern immer im Blick. Herrlich, sauberes und klares Wasser, und weder kalt noch zu warm. Nach dem Duschen dauerte das Zeltpacken eine Ewigkeit, wie immer beim ersten Mal. Kurz nach 11 Uhr Ortszeit ging es dann los, ca. 60 km zur türkischen Grenze. Die Griechen ließen sich schon mal verdammt viel Zeit, 25 Minuten nämlich, um eine Sekunde auf meinen Personalausweis zu schauen. In brütender Hitze ging es dann weiter zur türkischen Grenzkontrolle, die erheblich schneller war. Türken brauchten keine 10 Minuten, nur bei mir gab es anscheinend ein Problem. Hatte der erste Beamte noch bereitwillig den Stempel in meinen Pass gedrückt, schaute der nächste Beamte an Kontrollpunkt 2 abwechselnd auf meinen Pass, meinen Fahrzeugschein, meine Grüne Versicherungskarte (von der VHV) und seinen Computer. 20 Minuten dauerte das, alle Autos hinter mir hatten schon längst die Spur gewechselt. Aber irgendwie hatte der Beamte Pech, er fand wohl nichts, ich stand auf keiner Liste, er konnte mir keine Versicherung verkaufen, nichts. So ließ er mich denn ziehen. Beim Auto vor mir mit 4 Pässen hatte das Ganze 30 Sekunden gedauert, aber das waren Türken. Ich bin also nicht ausdrücklich willkommen geheißen in der Türkei, aber man hat auch nichts gegen mich vorzubringen. Nehme ich es eben so an.

Fischereihafen Gallipoli


Fähre über die Dardanellen
Auf der Autobahn ging es weiter bis Gallipoli, bei den Türken Gelibolu,  wo ich runterfuhr, um endlich einen Geldautomaten zu finden. 20 Minuten Anstehen, Geld ist eine gefragte Ware. Ich hob mit der VISA mal 1000 Türkische Lira ab, das entspricht etwa 245 Euro. In Gallipoli fielen im 1.Weltkrieg 100000 Mann, und bei der Abwehr der feindlichen Truppen tat sich besonders der spätere Staatsgründer Kemal Pascha, später Atatürk, hervor. Anschließend ging es auf die Fähre über die Dardanellen, kostete 10 TL. Aus Zeitnot ließ ich Troja rechts liegen, viel sehen kann man da ja sowieso nicht. Einige Zeit später endete die Autobahn und die Straße führte kurvenreich nach unten zum Meer. Da reihte sich dann ein Städtchen ans andere, die vielen roten Ampeln gingen mir echt auf den Keks. Schließlich machte ich es genauso wie die Türken, im Ort statt 50 km/h mit 80 km/h, das machte die Wartezeit bei den Ampeln wieder wett.  Tanken ist hier inzwischen kein Luxus mehr: 5,23 TL pro Liter bezahlte ich, das ist etwa das Niveau wie bei uns. Gerne hätte ich noch einmal die Badehose angezogen und wäre wie die vielen Türken ins Wasser gesprungen, aber die Zeit wurde schon wieder knapp.
Etwa 60 km vor Bergama zweigte die Straße links ab und ging durch herrliche Pinienwälder. Leider wurde es auch schon dämmrig, dafür sah der Vollmond einfach toll aus, wie er sich langsam erhob. Beinahe wäre ich in eine Gruppe von 3 schwarzen Eseln reingerast, die direkt vor mir die Straße überquerten und einfach nicht zu sehen waren. Die konnten ja nichts dafür, die türkischen Autofahrer aber schon, die keine Regeln kennen außer der, dass der Größere siegt. Mein Guesthouse ist super gelegen mit Swimmingpool und Innenhof, in dem ich jetzt gerade den Blog schreibe. So langsam kommt Urlaubsfeeling auf.  (Track5)

kleine Ursache, große Wirkung ...

Nachdem ich gestern noch bis weit nach Mitternacht meinen Blog schrieb, war ich heute morgen entsprechend müde. Trotzdem, um 7:30 Uhr stand ich schon draußen und fuhr dann den Rundkurs an den Meteora-Klöstern vorbei. Einmalig liegen sie da, jedes Kloster ist anders. Kastrakis oder Kalambaka sind unbedingt einen mehrtägigen Aufenthalt wert, man kann dort auch super wandern.
Agios Nikolaos Anapafsas
Varlaam
Roussanou
noch einmal Roussanou
Blick auf Kalambaka
unten noch einmal Roussanou, hinten Agios Nikolaos
das bin ja mal ich ...

Agia Trias kennt ihr alle von James Bond
denen sieht man an, dass es ihnen gut geht
Zunächst holte ich mir im Lidl noch Frühstück und ging zum Tanken, dann wurde die KTM wieder vollgeladen. Über eine kleine und kurvige Straße ging es erst mal wieder nach oben bis zur Autobahn. Um Grevana herum gibt es ständig Hinweisschilder, man solle auf Braunbären achten. Schade, ich habe keine zu Gesicht bekommen.
auf dem Weg nach Grevana
Bärenland, aber mir wollten sie sich nicht zeigen
An der Autobahn zeigte meine Navi noch 535 km bis Alexandroupolis an. Wie konnte das sein, so viel sollten es doch von den Klöstern aus sein. Wenig später schickte mich das Navi nach Norden statt direkt nach Thessaloniki. Doof wie ich war folgte ich dem Teil und kam erst viel zu spät dahinter, dass ich einen Riesenumweg fuhr. Seit gestern lädt man Navi nicht mehr am Motorrad, nur an der Steckdose im Hotel. Bei meinen Versuchen, das zu reparieren, hatte ich auch auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt. Und die setzen offenbar den Schalter "Mautstrassen vermeiden". Da die Autobahnen in Griechenland Geld kosten, schickte mich das Navi über eine nördlich gelegene Landstraße mit 70 km Umweg und mindestens 1  1/2 Stunden Zeitverlust. Als ich das entdeckte, war es freilich zu spät., da musste ich erst mal weiter Landstraße fahren.  So kam ich auch heute erst im Dunkeln auf dem Campingplatz in Alexandroupolis an, und das Zelt stand erst sehr viel später. Immerhin gibt es hier langsames Internet, also versuche ich, den Blog anzufangen.  (Track4)

Sonntag, 3. September 2017

Fähre Venedig nach Igoumenitsa und weiter zu den Meteora-Klöstern

Den Blog schreiben und die GPS-Daten hochladen hatte doch wieder einiges an Zeit gekostet, so dass ich nach der Mammuttour vom Freitag gerade mal 5 Stunden Schlaf bekam. Das Frühstück war typisch italienisch süß, aber der Kaffee schmeckt hier einfach besser. Danach fuhr ich mit dem unbeladenen Moped erst mal zum Tanken, und weil das die einzige so früh geöffnete Tanke war, musste ich den Preis von 1,64 € akzeptieren. In Österreich kostete der Sprit zum Vergleich 1,18 €.
Danach ging es ans Packen, und pünktlich um 10 Minuten vor Neun fuhr ich los. Für die Autostrada musste ich in Italien insgesamt 22 € bezahlen, also mehr als das, was mich der Sprit gekostet hatte. Aber ohne Autobahn muss man schon sehr viel Zeit haben, um durch die italienischen Städte zu fahren, Umgehungsstraßen gibt es selten. Fast pünktlich erreichte ich das Fusina Terminal, wo die ANEK-Schiffe ablegen. Dann hieß es erst mal 30 Minuten in der Schlange warten, bevor ich mein Ticket ausgehändigt bekam und an den wartenden Autos und LKWs vorbei nach vorne fahren konnte. Da warteten schon etwa 50 Motoradfahrer, und mit meinem vielen Gepäck will natürlich jeder wissen, wo es hingeht. Viele fahren nach Griechenland, manche davon auf dem Landweg über den Balkan wieder zurück. Einige wenige wollen wie ich in die Türkei, einer bringt eine gebrauchte BMW 650 zu seiner Freundin nach Kreta, damit er sich dort nicht immer ein Moped leihen muss. So richtig weit weg will aber keiner, obwohl manche Moppeds für eine Weltreise durchaus ausgestattet sind. Ich gebe es ja zu, so eine KTM 1290 sieht einfach gut aus, aber ob man 150 PS in Griechenland braucht, wenn man da nur 90 km/h auf Autobahnen und 70 km/h auf Landstraßen fahren darf? (Track2)
Treffpunkt Fahrkartenausgabe

meine KTM fällt aus dem Rahmen

guter Schlafplatz mit Dach



Venedig mit Kreuzfahrtschiffen


deutscher Biker ....

dieses Zelt musste nachts wegen des Regens umziehen

deutsche Grauhaarige sind überall


ob das bei Sturm wohl hält ?


Mit griechischer Pünktlichkeit fuhr der große Pott dann 3 1/2 Stunden zu spät ab. Mist, das könnte eng werden mit der Unterkunft bei den Meteora-Klöstern. War es am Morgen noch strahlendblauer Himmel, kamen beim Warten die dunklen Wolken und die ersten Regenschauer. Immerhin, die Tropfen sind hier wärmer als bei uns daheim. Die Motorräder stehen einfach nebeneinander, einziger Halt ist ein dünnes Seil, das jedes Mopped mit seinen Nachbarn verbindet. Wenn es stärker schaukelt, fällt dann wohl gleich die ganze Reihe um. Von Venedig sieht mit allenfalls mit dem Fernglas etwas beim Vorbeifahren, schade. Das nächste Mal würde ich dort noch einen Tag dranhängen, immerhin gibt es da gerade die Filmfestspiele. Unser 4-Bett-Zimmer ist mit 3 Leuten belegt, und schon da gibt es kaum Platz. Aber ich bin so müde, das wird mir ziemlich egal sein, Hauptsache ein Bett. Viele übernachten im Schlafsack auf Deck, sogar Zelte sind aufgebaut. Diejenigen mit Erfahrung haben sich da gleich die besten Plätze ergattert, andere schlafen in Pullmannsesseln, also mit dem Komfort wie im Flugzeug. Telefonieren an Bord geht natürlich nicht, aber Internet könnte man für 3 € je halbe Stunde kaufen. Die Preise für Getränke und Speisen sind für eine Fähre eigentlich noch ganz zivil, Sandwich und Bier kosten je 3,90 €.
Nach 10 Stunden Schlaf trinke ich erst mal eine Kaffee und esse ein Muffin. 5,20 €, da kann man nicht meckern. Das Buch "Im Eishaus" von Minette Walters ist zwar schon über 20 Jahre alt, aber gut geschrieben. Ich schaffe es aber nur deshalb, weil die Fähre erst mit fast 6,5 Stunden Verspätung in Igoumenitsa anlegt. 400 g weniger, die die KTM schleppen muss, irgendein anderer Mitreisender freut sich bestimmt. An die Motorräder dürfen wir erst einige Minuten vor der Ankunft, mir läuft beim Aufpacken die Brühe runter. Mist, wo ist der Knochen, der das Navi mit dem RAM-Knopf am Lenker verbindet? Noch mal ins Zimmer gesprintet, aber da ist er nicht. Also mit dem Pulk runter von der Fähre und noch einmal alles abgepackt. In der gelben Tasche finde ich ihn schließlich, aber das Ganze hat mich eine weitere halbe Stunde gekostet. In Griechenland ist die Uhr schon eine Stunde weiter, 19 Uhr und noch 170 km! Auf der Autobahn geht es zügig ostwärts, immer höher auf über 1000 m. Vorsichtshalber rufe ich bei dem Guesthouse an, kein Problem, die Rezeption ist bis 22 Uhr geöffnet. Es wird wieder verdammt kalt, über den Bergen dicke Wolken. Die letzten 50 km geht es dann auf einer kurvigen Landstraße wieder nach unten. Eigentlich wollte ich Fahrten im Dunkeln vermeiden, wegen der Beladung strahlt mein Licht mehr nach oben als nach vorne. Aber schließlich erreiche ich Kalampaka und frage mich durch zum Guesthouse Vavitsas. Das liegt in Kastrakis direkt an den Felsen, auf denen die Meteora-Klöster liegen. Wie schade, bei regulärer Ankunft hätte ich noch alles besichtigen können und auch das turbulente Leben auf den Plätzen genießen können. Die Grillen zirpen, der Mond scheint, die Menschen laufen noch in T-Shirt und kurzen Hosen herum, kurz, der Sommer hat mich wieder. (Track3)
Relaxen an Bord

"Im Eishaus" kann man bei der Hitze gut lesen

hinten immer noch Albanien

da kommt endlich Igoumenitsa

die Fähre fährt weiter nach Patras